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Dieser Artikel von Helene Wuhrer ist in der BPF-Zeitschrift "Wort+Geist" (Ausgabe 8/2000) erschienen.

Gott mag Kinder

Hast du Gott schon einmal bekannt, dass du Ihn lieber magst als Coca Cola und Blödsinnmachen? Und ist dir bewusst, dass Gott stärker ist als Superman? - Oder rümpfst du die Nase über so "gotteslästerliche" Aussagen?

Seit gut zwei Jahren beginnt bei uns (Freie Christengemeinde Gießen) jeder Gottesdienst mit solchen Bekenntnissen (wobei ich zugeben muss, dass ich hier die auffälligsten unserer Kinder-Lobpreis-Lieder zitiert habe). Da stehen, hüpfen, turnen, singen und schreien wir gemeinsam zu Gottes Ehre. Wir hatten es satt, die Kinder mit Gummibärchen zu bestechen und ihre Langeweile bis zum Beginn des Kindergottesdienstes leise zu halten... Außerdem fiel uns auf, dass der Gottesdienst "erwachsenenfreundlich" war, aber wenig davon widerspiegelte, dass Gott Kinder mag.

Der Kinderlobpreis zu Beginn unserer Gottesdienste hat sich etabliert, lange nicht nur die Kinder sind mit Begeisterung dabei. Ein erster kleiner Schritt hin zu einer kinderfreundlichen Gemeinde. Nun macht aber der Gottesdienst nur einen ganz geringen Teil von uns als Gemeinde aus. Uns ist Lebens- und Glaubensgemeinschaft wichtig. Ganz praktisch leben wir das in unseren Hauskreisen: Wie gehabt abends, unter der Woche, Singen Beten Bibellesen... also völlig ungeeignet für Kinder. "Wie werden wir hier kinder- und familienfreundlich?" haben wir uns gefragt. Seit einem Jahr feiern wir nun Hauskreisfeste, jeden Monat eines. Freitags, Beginn 18.00 Uhr mit gemeinsamem Essen danach gemeinsames Programm. Unser Ziel ist es, geistliche Inhalte zu vermitteln, so dass es bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen ankommt und allen Spaß macht. Keiner soll nur nebenher mitlaufen, also NICHT "mit Kinderbetreuung", auch NICHT Kinderfest mit genervten oder gelangweilten Erwachsenen. Und das kommt gut an, wir können es wärmstens weiterempfehlen. "Wie machen wir das jetzt praktisch?" fragt sich jetzt vielleicht die eine oder der andere, darum gehen wir ins Detail.

  • Wenn zu jedem HKF spezielle Einladungskarten entworfen und verteilt werden, dann ist die Beteiligung deutlich höher als sonst zu erwarten.
  • Besonders praktisch (vor Allem für den Gastgeber) sind als Mahlzeit belegte Brote. Das gibt weniger Abwasch, da sie von der Hand oder Serviette gegessen werden können. Teller müssen nicht auf Knien balanciert werden, Buffetschlachten entfallen. Und: für jedes Kind ist was Leckeres dabei.
  • Wichtig und manchmal schwierig ist es, das Programm rechtzeitig zu beginnen: um 19.00. Falls da geschlurt wird, wird es hinterher aber zu spät und zu müde.
  • Eine Lobpreiszeit leitet den Programmteil ein (damit alle ganz dabei sind, singen wir "ganzheitliche Lieder" mit Bewegungen).
  • Das Programm besteht aus zwei Teilen: einem spielerisch/gestalterischen Element, das zum Thema führen und von selbst zu Gesprächen über das Thema verleiten soll. Darauf folgt dann eine kurze anschauliche Andacht zu einem Bibeltext. Zum Beispiel haben wir zu einem Abend mit dem Titel "Gewohnheiten wie Klamotten?" eingeladen. Das Thema begannen wir mit einem Würfelspiel. Für jeden hatten wir einen "Spielplan" mit einer Figur vorbereitet. Außerdem gab es viele kleine Streifen mit Wörtern darauf: je einen Satz Laster aus den Lasterkatalogen im NT und einen Satz "gute Eigenschaften" (zum Beispiel Früchte des Geistes). Für kleinere Kinder gab es statt dessen schwarze und weiße Punkte. Jeder zog zu Beginn eine bestimmte Anzahl schlechter Eigenschaften und legte sie auf seine Figur. Dann wurde reihum gewürfelt. Auf dem Würfel waren Symbole für "Laster aufnehmen", "Laster abgeben", "Tugend aufnehmen" und "Tugend abgeben". Aus dem Pool an guten und schlechten Eigenschaften in der Mitte des Tisches (oder von denen auf der eigenen Spielfigur) konnte man wählen, sollte jeweils seine Wahl begründen: Warum wünschst du dir gerade diese gute Eigenschaft? Was kann man ganz praktisch dafür tun, um das Laster loszuwerden? (Kleinere Kinder können ihre Punkte auch mit Inhalt füllen). Zum Abschluss gab es dann eine Andacht (nur 7 Minuten!) zu Epheser 4, 22-24 und Kolosser 3.
  • Auch im Programm achten wir besonders auf Gemeinschaft. Darum teilen wir oft in Gruppen (mit je ca. 8 Personen) ein, dann ergeben sich bessere Gespräche. Unbedingt mischen wir Kinder und Erwachsene, unter Umständen bekommen Kinder spezielle Aufgaben in den jeweiligen Gruppen (z.B. Gesprächsgruppenleiter oder "Bank"), damit sie wirklich voll beteiligt werden.
  • Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Warum nicht einen kinderfreundlichen Missionsbericht? Ganz viele biblische Themen, die oft Erwachsenen vorbehalten werden, haben auch Kindern etwas zu sagen. Denn auch sie müssen beispielsweise wie wir damit rechnen, dass wir vielleicht einmal um Christi Willen leiden werden.

Das Projekt Hauskreisfest hat sich bewährt. Nicht selten fragen Kinder, wann denn das nächste stattfindet, und auch die Großen sind zum Teil ganz enttäuscht, wenn sie einmal eines versäumen müssen.

Und wenn du mal ganz ehrlich bist: ist es für dich wirklich ein Kinderspiel, Gott lieber zu mögen als Coca Cola und Blödsinn machen? Vielleicht heißt Deine Cola ja Fernseher und vielleicht ist Dein Blödsinn "Anerkennung bei Anderen". Oder ist Dein Superman die Versicherungsgesellschaft? Diese fast blasphemisch anmutenden Kinderlieder haben mich persönlich mehr zum Nachdenken angeregt, als so manches "richtige" Lobpreislied. Und ich habe mich noch mal neu und wieder mehr Gott hingegeben, ganz konkret. Kinderfreundlich ist also nicht nur Kinder-freundlich.


Helene Wuhrer Helene Wuhrer, Absolventin der Freien Theologischen Akademie, Giessen, ist Pastoralassistentin unserer Gemeinde. Helene ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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