Die Bahn kommt, oder? 
Tagebuch eines Pendlers, Freitag, den 12. Oktober

6:05: In Vorbereitung auf den Bahn-/GDL-Streik heute klingelt der Wecker früher. Henrike hat sich nach dem Theater gestern um 23:00 Uhr bei uns dann wohl gefühlt und bis auf ein paar rotierende Arme, die ich ins Gesicht bekam, war es ruhig. Also: aufgestanden.

6:15: Rechner hochgefahren, bei der Tagesschau die Bestreikung des Nahverkehrs bestätigt gefunden. Mein angepeilter IC soll um 6:53 Uhr fahren. Bei der Bahn fand ich die Abfahrtstafeln sehr hilfreich. Dort steht recht aktuell, welche Züge fahren und welche verspätet sind oder ganz ausfallen. Dort sah ich dann auch, dass um 6:39 Uhr sogar ein RE nach Frankfurt fahren sollte. Also fix angezogen und los.

6:30 Aufbruch mit dem Rad durch Nacht und Kälte!

6:35: Am Bahnhof ist der Uhrzeit entsprechend regulärer Betrieb. Laut Abfahrtstafel hat mein Zug "wenige Minuten Verspätung". Das klingt doch deutlich besser als: "fällt aus".

6:43: Es geht los!

6:46: Der Zug hat eben einem Nachbarzug zugehupt (sagt man das so?). Ein geheimes Zeichen? Streikt der Lokführer jetzt auf freier Strecke?

6:48: Nein, wir fahren doch weiter.

6:50: Durchsage, mein Zug halte nun bis Friedberg an allen Bahnhöfen. Na, denn. Es sei ihnen gegönnt. Dann kann ich ja mal mit der Arbeit anfangen.

7:07: Wir sind in Butzbach und noch ist alles friedlich. Es scheinen doch viele der Empfehlung der Bahn gefolgt zu sein und vergnügen sich nun auf der A5. Aus dem SMS-Gebäude schaut uns jemand bei der Abfahrt zu. Er wirkt erstaunt. :-)

7:23: Friedberg - und immer noch sind 2/3 der Sitzplätze frei.

7:41: Frankfurt West - wir scheinen wirklich gut anzukommen. Jetzt muss ich schon mal den Laptop schlafen legen. Bis gleich ...

7:48: Nachrichtlich: Ankunft in Frankfurt Hbf.

7:59: So, ich sitze wieder. In der frankfurter Bahnhofshalle ist es heute ferkelkalt, und ich bin froh, dass der RE nach Mannheim gut geheizt ist. Wie zu erwarten, ist das Problem die Strecke nach Niederrad, da hier die nächsten S-Bahnen alle ausfallen. In der Halle wurden O-Säfte verteilt und vielleicht sogar Kaffee. Zumindest habe ich zwei mit einem Hänger voll Kaffeekannen gesehen. Leider war ich zur falschen Zeit am falschen Platz und habe nichts bekommen. Na ja, hauptsache warm. Planmäßig soll es um 8:10 Uhr weiter gehen.

8:10: Und? Ah: "Bitte steigen Sie ein!" :-)

8:17 Ankunft in Frankfurt Niederrad. Die kurze Fahrt war problemlos. Mit mir steigen auch einige Kollegen aus. Viele andere sind mit der Straßenbahn gefahren, die zwar länger unterwegs ist, aber dafür mit der GDL nichts zu tun hat und daher nicht vom Streik betroffen ist.

Fazit: eine Fahrzeit von fast zwei Stunden Haus zu Haus. Nicht berauschend, aber angesichts eines angekündigten Totalstreiks hat sich die Bahn wacker geschlagen.

Update nach der Heimfahrt

Auch für die Rückfahrt habe ich natürlich obige Abfahrtstafeln studiert und war erfreut, eine Verbindung zu finden. Die S-Bahn kam pünktlich und fuhr auch zügig zum Hauptbahnhof. Mein Anschlusszug war auch schon angeschlagen. Überall standen Leute rum, nahmen auf ihre Weise die nicht fahrenden Züge hin oder beobachteten die Fernsehteams.

Fünf Minuten vor Abfahrt meines Zuges kam die Durchsage, dass dieser nun streikbedingt doch ausfiehle. Na toll! Das wussten die nicht früher? Also eine halbe Stunde auf den nächsten gewartet und gehofft, dass dieser nun doch fährt. Tat er dann auch. So habe ich dann auch zurück 1:45 Stunden benötigt. Gut, dass ich den Laptop dabei hatte und wenigstens noch etwas produktiv unterwegs sein konnte. Schönen Dank auch, GDL!



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Was für eine Nacht! 
Es gibt nur wenig Sätze, die in den Ohren von jungen Eltern so lieblich klingen, wie die von vertrauenserweckenden Babysittern (meinen Eltern): "Macht euch keine Sorgen!" und "Trinkt anschließend noch ein Weinchen!" Wow! Und so entspannt war der Abend auch.

Vor dem Kino-Film wollten wir noch kurz nach einem Mantel schauen, den Ines bei Kult entdeckt hatte. Abends sah er nicht mehr so interessant aus, wie noch tags über und so sparten wir etwas Geld. Da ich beim hektischen Aufbruch nichts mehr gegessen hatte, knurrte mir jetzt schon der Magen und wir schauten uns nach etwas Kleinem um. Bei einer kleinen Straßen-Pizzeria wurden wir von zwei Leuten im Eingang angesprochen, ob wir zufällig wüssten, wann der Mauerfall war. Die Diskussion konnten wir leicht und sicher auflösen: am 9.11.1989. Nach dem netten Gespräch fragte ich, ob ich nicht auf ein Pizzateilchen ein wenig Rabatt bekäme, da wir doch das Problem lösen konnten, woraufhin wir sogar gleich zwei Teilchen geschenkt bekamen! Gut gelaunt ging es also weiter zum empfohlenen Cinema Arthouse.

Da "Ratatouille" erst Ende der Woche anläuft, haben wir uns für Bourne - Ultimatum, den dritten Teil der bislang äußerst spannenden Bourn-Trilogie entschieden. Im osnabrücker Cinema Arthouse begann der Film mit leichten technischen Störungen, saugte einen dann aber mit seinem von Beginn an rasanten Tempo ein. Dieses hält auch buchstäbilch bis zur letzten Sekunde an, denn Gelegenheit zum Entspannen lässt Bourne nie. Immer wird er gehetzt, verfolgt selber oder wird in ruhigeren Momenten von wiederkehrenden Erinnerungen geplagt, die aber einfach kein klares Bild ergeben wollen. Selten hat es dermaßen Spaß gemacht mit dem Protagonisten zusammen den Bösen ein Schnippchen zu schlagen und haarscharf vor der Nase der anrückenden Killerkommandos abzutauchen.
Wie auch in den vorigen Teilen hat auch der dritte Teil eine etwas schmerzhafte Härte, die bei unerbittlichen Verfolgungsjagten und Unfällen deutlich wird, aber auch durch sterbende Figuren, die nicht nur klassisches Kanonenfutter sind. Entwarnend kann ich aber sagen, dass die Tragik des zweiten Teils dabei glücklicherweise nicht mehr erreicht wird.
Und das Ende? Wie lässt man einen Film enden, der mit der großen Frage nach der Vergangenheit Jason Bournes beginnt, und den das CIA persönlich aus seiner dunklen Vergangenheit löschen will? Auch hier will ich nichts vorweg nehmen, aber die Bourne-Trilogie sucht seinesgleichen, wenn es darum geht, diese brilliant aufgebaute Spannung ebenso perfekt und punktgenau aufzulösen. Ich bin gespannt auf die DVD-Kassette mit Bonusmaterial, auch um alles noch einmal im O-Ton zu sehen. Ines zumindest war mit der Synchronisation nicht immer ganz zufrieden, mir waren jetzt keine groben Schnitzer aufgefallen.
Alles in Allem 10 von 10 Punkten, ein must see, besonders, wenn man Bourne mag.

Zum Wein-Krüger sind wir nicht gegangen, sondern haben erst einmal in die hauseigene Bar geblickt, um die Befürchtung der ängstlichen Wirte deutlich wiederlegt zu sehen: durch das konsequente Rauchverbot stieg nirgendwo der silbrige Faden einer Zigarette auf, sondern die Luft roch endlich mal interessant: Holz, Menschen, Essen. Ich könnte mir vorstellen, das dies eine völlig neue Erfahrung werden wird: jedes Restaurant, jede Bar wird individuell riechen. Selbst für einen so olphaktorisch Minderbemittelten, wie mich, dürfte das eine völlig neue Welt eröffnen. Jedenfalls: trotz frierender Raucher auf der Außenterasse war der Laden so voll, dass wir in die Innenstadt weiter gezogen sind.
Eine enge Kneipe zog mit interessantem Licht an, war aber ebenso rappelvoll und stank etwas süßlich und nach der Zigarette, die irgend ein Ignorant angezündet hatte.

Einen Platz fanden wir schließlich in der Bar Celona am Nikolaiort, in der wir gemütlich einen Cocktail tranken, das Leben genossen und der Mixern bei ihren Jongliereinlagen zuschauten. Die betrunkenen Engländer konnten wir einigermaßen ignorieren. Die Speisekarte sieht übrigens sehr interessant aus, so dass wir sicher zum Mittagessen mal wieder vorbei kommen.
So den entspannten Abend abschließend, brachen wir dann langsam unsere Zelte ab und schlenderten zum Wagen.

Und Henrike? Sie hat sich einfach ablegen lassen und war sofort weg. Es geht also auch ohne uns. :-))
(Vielen Dank noch mal für's aufpassen!)

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Viel Arbeit! 
Auf diesem Weg noch mal einen Herzlichen Glückwunsch an meine Mutter, die heute ihr 25. Dienstjubiläum beim Klinikum Osnabrück feierte. Angefangen mit der Ausbildung hatte sie 1967 in Oldenburg, in Osnabrück wurde sie 1976 unter Vertrag genommen, zunächst aber noch unter der Leitung der Diakonie. Somit sind die 25 Jahre noch eher eine Untertreibung. :-)
Alles Gute für die letzten Jahre!

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Der jährliche Gitarrengenuss 
Obwohl mein Kurzurlaub wegen Mangelbesetzung auf der Kippe stand, konnten wir nun doch in ein Verlänertes Wochenende nach Osnabrück fahren. Danke nochmal, Andreas!
Grund für dieses Wochenende waren die alljährlichen Open Strings, ein dreitägiges Gitarrenfestival mit Ausstellung, Workshops und sehr hochwertigen, internationalen Gitarristen in den Konzerten. Bei meinen Eltern Henrike in guten Händen wissend, haben wir uns auch gleich in den Musikgenuss gestürzt.
In den Konzerten war Julian Kleiss aus Österreich bemerkenswert, der im vergangenen Jahr den Nachwuchswettbewerb gewonnen hatte und derzeit noch an seiner CD-Produktion ist. Mit seinen 17 Jahren liefert er eine beeindruckende und frische Performance auf der Bühne. Interessant auch seine "Bekehrungsgeschichte" von Heavy Metal zum Fingerstyle, nachdem er von Musiklehrer und Eltern zu einem Don Ross-Konzert überredet worden war. Von dem verdient großartigen Applaus ganz hin und weg, schlug er sogar eine Purzelbaum. :-) Ich bin schon gespannt auf die CD im Frühjahr.
Sehr hörenswert war auch Biber Herrmann, der als Singer-Songwriter zu seiner blueslastigen Musik auch sang. Für eine CD hat es bei mir nicht gereicht, aber es war spannend, die Hintergründe zu seinen Liedern zu erfahren. Beeindruckend, aber auch sehr, sehr traurig die Geschichte eines verängstigen Mädchens, das er im Zoo gesehen hatte. Dessen Eltern wollten seine Angst vor den Tieren wohl überwinden, indem sie es vor den Tieren fest hielten. Man weiß zwar nie, was für eine Geschichte dahinter stand und ob die Eltern nur einen schlechten Tag hatten, aber es war sehr anrührend, und ich bete, dass sich die Welt für sie inzwischen gebessert hat. Neben dieser traurigen Geschichte waren seine anderen eher unterhaltsam, wie z.B. über die Sklavenarbeit in den Weinbergen Hessens. Wenn Biber irgendwo live zu sehen ist, kann ich das nur empfehlen.

Positiv war auch wieder der Bummel über die Ausstellung, auf der viele schöne und unbezahlbare Gitarren zu sehen und zu spielen waren. Ines hat sich noch einen Becherhalter für den Notenständer gegönnt, ich mir ein Stimmgerät, das man direkt an die Gitarre klemmen kann. Der Vorteil ist, dass es dann die Schwingungen per Piezokristall direkt vom Instrument abnimmt und nicht über das Mikrofon durch Störgeräusche in lauter Umgebung abgelenkt wird. Zudem ist ein Metronom mit vielfältigen Einstellmöglichkeiten integriert, dass mir hoffentlich zu mehr Takt verhilft.

Update vom 1.10.: Biber schrieb mir gerade, dass er am 9.11.07, 20h, in Wetzlar bei Franzis in der Franziskanerstrasse spielt.

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Es brennt! 
Meine Frau guckte schon etwas skeptisch, als sie nur "Finalgon" las. Als dann dort auch noch extra stark stand, fragte sie mich, was ich denn damit vor hätte.
Da Durchblutung den Heilungsprozess meiner entzündeten Handgelenkssehne beschleunigen soll, dachte ich mir: "viel hilft viel" und nahm die stärkere Dosis.
So vorgewarnt las ich jedenfalls nun die Packungsbeilage um so genauer, zumal auch ein Applikator mitgeliefert ist, damit man das Zeug nicht unnötig an die Finger bekommt.
"Klein anfangen", stand dort zum Beispiel. "Eine erbsenkleine Dosis für eine handflächengroße Hautfläche." Also quetschte ich die Minimalstdosis aus der Tube und applizierte sie auf der betroffenen Stelle. Zur Sicherheit noch einen Verband drumherum. Nichts passierte. Also das Abendprogramm weiterbetrieben und ein wenig in der Wohnung rumgeräumt. Jetzt, eine Stunde nach dem Auftragen, spüre ich etwas: dieses kleine Zeug lässt mein Handgelenk glühen, partiell sogar brennen. Wow, das hat es echt in sich. Ob es etwas hilft? Mal schauen. Es fühlt sich jedenfalls so an, als ob es das müsste!

Wasabi, das gut zu Sushi passt, ist übrigens auch so ein Zeug, mit dem man klein anfangen sollte. Eine erbsengroße Portion kann deutlich zu viel sein.

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